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Deshalb braucht deine App eventuell keine Push-Benachrichtigungen. Wie UX Design dazu beitragen kann, dass Nutzer gesündere Gewohnheiten entwickeln.
Author: Justin Schmitz · 0 Minuten Lesezeit
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Handys wollen Aufmerksamkeit

Wir nutzen unser Smartphone immer häufiger. Besonders soziale Medien und Videospiele verlangen unsere Aufmerksamkeit.

Benachrichtigungen, Badges, Töne und Vibrationen erzeugen ein Gefühl der Dringlichkeit, das nicht gerechtfertigt ist.

In-App-Werbung lenkt uns von der ursprünglichen Absicht ab.

Kleine rote Bubbles mit Zahlen wecken deine Aufmerksamkeit. Quelle: Sara Kurfess

Kleine rote Bubbles mit Zahlen wecken deine Aufmerksamkeit. Quelle: Sara Kurfess

Smartphones bieten bereits einige einfache Funktionen, um solche Mechanismen zu reduzieren. Einige dieser Lösungen sind hilfreich, erfordern jedoch ein gewisses Maß an Selbstkontrolle.

Native Lösungen, um Konzentration zu fördern und Ablenkungen zu reduzieren

Native Lösungen, um Konzentration zu fördern und Ablenkungen zu reduzieren

Digitale Nutzer verlangen zunehmend mehr Kontrolle über ihre Erfahrungen und Designer müssen UX-Strategien entwickeln, um ein gesundes Smartphone-Engagement zu fördern.

Engagement ist ungleich Wert

Mobile Apps basieren auf Engagement. Geschäftsmodelle basieren darauf, wie viel Zeit die Nutzer in der App verbringen und wie oft sie zurückkehren. Stakeholder glauben, dass Engagement misst, wie wertvoll ein Produkt für Nutzer ist. Hoch engagierte Nutzer kaufen und teilen, was zu größeren Gewinnen für das Unternehmen führt.

Eine App muss daher das Geschäftsziel erreichen: Nutzer so lange wie möglich mit dem Produkt verbinden. Designer sollen ein Produkt entwerfen, das attraktiv und einfach zu bedienen ist. Das Produkt soll eine Geschichte erzählen und Gamification-Elemente enthalten. Im Idealfall verbindet die App uns mit anderen Menschen, was einer der wichtigsten emotionalen Antriebe darstellt.

Das Ziel: Blicke auf dem Smartphone halten. Quelle: Camilo Jimenez

Das Ziel: Blicke auf dem Smartphone halten. Quelle: Camilo Jimenez

Bei dem Versuch, die Nutzer einzubinden, müssen Designer ethische Überlegungen berücksichtigen. Es kann schädlich sein, die Verbraucher durch irreführende Texte, unklare Aktionen oder pausenlose Benachrichtigungen zu binden.

Über Gamification haben wir bereits in einem vorherigen Artikel gesprochen. Eines der größten Probleme ist der Spielautomateneffekt, der Nutzer in unvorhersehbaren Abständen belohnt.

Gib dem Nutzer die Kontrolle

Usability First

Die Gestaltung einer weniger anspruchsvollen Benutzeroberfläche ist ein erster Weg, Nutzer mental zu entlasten. Wir animieren Nutzer dazu, sich bewusst mit der Anwendung zu beschäftigen.

Feeds mit Limit

Auch sollten wir Nutzern die Information geben, wann sie eine Pause einlegen sollten. Etwa wenn sie das Ende von neuen Inhalten in einem Feed erreicht haben. Das ist eine sehr effektive Methode, um zu verhindern, dass die Nutzer endlos durch einen Feed scrollen. Auf diese Weise haben die Nutzer das Gefühl, etwas erreicht zu haben, und können die App schließen.

Social Media muss Nutzer sinnvoll und mit Limits durch Content führen. Quelle: Peter Bucks

Social Media muss Nutzer sinnvoll und mit Limits durch Content führen. Quelle: Peter Bucks

Weniger Benachrichtigungen

Im Durchschnitt erhalten Smartphone-Nutzer täglich 40 Push-Benachrichtigungen. Benachrichtigungen sollten nicht per Standard aktiviert sein. Das Stummschalten von Benachrichtigungen sollte so einfach wie möglich sein. Nutzer sollten nicht von ihrer eigentlichen Aufgabe abgelenkt werden.

Quelle: Brian Tromp

Quelle: Brian Tromp

Customization

Nicht alle Menschen finden die gleichen Dinge wichtig oder wünschen sich immer das gleiche Maß an Engagement. Achte darauf, dass dein Produkt Funktionen enthält, die Nutzern entgegenkommen, die anfällig für Unterbrechungen sind. Stattdessen sollten Designer Produkte entwickeln, die ihre Nutzer unterstützen und ihre Vorlieben respektieren.

Biete deinem Nutzer schnelle Einstellungsmöglichkeiten. Quelle: Sten Ritterfeld

Biete deinem Nutzer schnelle Einstellungsmöglichkeiten. Quelle: Sten Ritterfeld

Respektiere den Fokus

Überlege, was der Nutzer wissen muss, und benachrichtige ihn entsprechend. Ist es notwendig, ihn genau jetzt zu unterbrechen? Berücksichtige, wie dein Produkt von einer Vielzahl von Nutzern verwendet werden könnte, die in verschiedenen Situationen unterschiedliche Tätigkeiten ausüben können.

Muss der Nutzer das jetzt erfahren? Quelle: Jamie Street

Muss der Nutzer das jetzt erfahren? Quelle: Jamie Street

Biete Anpassungsmöglichkeiten

Erlaube deinen Nutzern, ihr Erlebnis und die Mitteilungen, die sie erhalten, individuell zu gestalten. Erkenne die Vorlieben der Nutzer, damit sie die Einstellungen nicht übermäßig anpassen müssen.

Reduziere den mentalen Aufwand

Schaffe ein Erlebnis, das Multitasking reduziert. Designer können den Wunsch der Nutzer nach mehr Kontrolle erfüllen, indem sie angenehme Erlebnisse schaffen und den Vorlieben und Bedürfnissen der Nutzer entgegenkommen.

Fazit

Unsere Branche befindet sich inmitten eines Paradigmenwechsels. Unternehmen erkennen, dass ihre Kunden mehr Kontrolle über die Art und Weise verlangen, wie sie mit digitalen Produkten interagieren. Unternehmen, die das nicht erkennen, werden wirtschaftliche Rückschritte erleben.

Literatur

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